Die passionierte Weltreisende aus dem Kurfürstenviertel

Mit einem fröhlichen „Hallo“ begrüßt uns Annemarie Wiemann in ihrer Wohnung im zehnten Stock im Bremer Kurfürstenviertel. Die große helle Fensterfront gegenüber der Tür gibt einen fantastischen Ausblick über das grüne Bremen in Richtung City frei. Einer der Gründe, warum die 92-Jährige so gerne hier wohnt.

„Hier kommt immer viel Licht rein und auch reichlich Sonne. Doch natürlich weht hier oben auch schon mal ein frisches Lüftchen“, lacht sie. Seit ihr Mann vor einigen Jahren gestorben ist, lebt sie allein in der gepflegten Wohnung.

Für den Besuch gibt es Eis mit Früchten und einem Schuss Eierlikör – ihr Dessertfavorit. Und Desserts hat sie in ihrem langen Leben reichlich kennengelernt. Vor allem auch auf Reisen. Eine Leidenschaft, die sie kürzlich noch einmal für sich wiederentdeckt hat. „Jetzt habe ich Zeit, Dinge zu sehen, für die vorher keine Gelegenheit war. Und die nutze ich, solange es geht.“ Zum Erstaunen von Familie und Freunden, denn Frau Wiemann geht durchaus gern allein auf Tour. „Auf einer Kreuzfahrt oder Busrundreise sind immer nette Menschen, mit denen man schnell ins Gespräch kommt. Mir fällt es aber auch leicht, Anschluss zu finden.“

Sie erzählt von ihrer Jugend in Hastedt, als sich die jungen Leute nach dem Handball zum Schwimmen am Schwimmbad Eberlein am Osterdeich trafen. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen. Durch einen Zufall sind sie auf das Naherholungsvergnügen Campingplatz gestoßen und wurden feste Freizeitcamper im Bremer Umland. „Eine wunderbare Zeit“, schwärmt sie. Gerade hat sie eine Auszeichnung für ihre lange Vereinsmitgliedschaft erhalten.

In ihrem bewegten Leben hat Annemarie Wiemann beruflich und privat viel erlebt. Die Natur, Aktivitäten im Freien und die Reisen mit dem Wohnwagen haben ihr und ihrem Mann dabei stets den idealen Ausgleich geboten. Später hat die ehemalige Buchhalterin der Norddeutsche Mende-Rundfunk GmbH („Wir haben das Geld damals noch von Hand gezählt und in die Lohntüten gepackt“) dann ehrenamtlich Seniorenreisen begleitet.

Reisen öffnet das Herz, hält jung und den Geist beweglich.

Annemarie Wiemann

Und nun eine Weltenbummlerin? „Naja, ganz so große Sprünge mache ich nicht. Aber ein paar Wunschziele habe ich in den vergangenen Jahren schon besucht“, berichtet sie und zeigt Bilder vom Schiffsdinner an ihrem 90. Geburtstag, den sie am Nordkap verbrachte. „Ich habe nichts gesagt, das hat die nette Crew irgendwie herausbekommen und mich mit Ständchen und toller Deko überrascht.“ Im Jahr darauf fuhr sie von Passau bis zum Donaudelta und zum Geburtstag gönnte sie sich eine Reise nach Kanada und Amerika. 2018 hat sie St. Petersburg nach 30 Jahren wieder besucht und als nächstes plant sie eine Schiffstour um England.

Erfreut ist sie über die Menschen, die sie dabei unterstützen. „Mein Reisebüro in Sebaldsbrück ist ein ganz wichtiger und verlässlicher Partner. Schön, dass es hier und da noch persönlichen Service gibt. So bleiben meine Abenteuer auch bezahlbar und das ist ja entscheidend“, weiß die rüstige Seniorin, die sich ein Leben ohne Bank- oder Postschalter und „echte“ Dienstleister schwer vorstellen mag. Auch wenn das Einkaufen beschwerlicher geworden ist, seit sie kein Auto mehr fährt. Das ist aber auch das einzige Manko, dass ich nun nicht mehr so mobil bin, wie früher. Über Angebote für Ältere, wie einen Shoppingshuttle oder gemeinsames Fahren in einer Gemeinschaft aus der Nachbarschaft würde sie sich mehr freuen, als über Lieferungen frei Haus. „Vielleicht hänge ich selbst mal einen Zettel aus, hier am schwarzen Brett“, schlägt sie vor. Das wäre doch ein gutes Vorhaben fürs neue Jahr.