Ein wilder Ritt durch die Bremer Geschichte

Was 2014 mit einem einfachen „Blog“ im Internet begann, hat sich zu einem spannenden, viel gelesenen Online-Magazin entwickelt. Der Historiker Frank Hethey liefert gemeinsam mit anderen Autoren interessante neue Details zur Bremer Geschichte. Wir besuchten den Journalisten und seine Mitarbeiterin Nina Fenzau in ihrem Projektbüro im „Wurst Case“ (ehemalige Könecke Wurstwarenfabrik) in Hemelingen-Sebaldsbrück.

Herr Hethey, was bedeutet das Projekt Bremen History für Sie?
Hethey: In erster Linie geht es darum, einen vielfältigen Blick auf die Bremer Geschichte zu werfen, nicht nur aus Sicht der bekannten Historiker, jeder kann dazu beitragen. Wir wollen Erinnerungen teilen, gemeinsam recherchieren und Leute zusammenbringen. Die sozialen Medien machen es möglich. Jeder hat doch Historisches als persönliche „Zeitreise“ auf ganz eigene Weise erlebt. Dabei kommen tolle Stories heraus, wobei wir keinen Anspruch auf genaueste Vollständigkeit erheben.

Was treibt Sie dabei an?
Hethey: Wir „brennen“ für unser Lieblingsthema Bremer Geschichte, da gibt es noch viel zu entdecken in den Archiven oder durch private Initiativen. Zeitzeugen erzählen aus dem Alltag oder zeigen ihre Familien-Foto-Schätze. Erst kürzlich hat uns eine ehemalige Uni-Mitarbeiterin eine tolle Fotoserie überlassen, über ihre Kindheit in den 1950er Jahren in Hemelingen. Zudem berichtete sie Aufregendes über die „rote“ Gründungszeit der Bremer Universität. Es sind eben kleine Details und ungewohnte Blickwinkel, die alles so spannend machen.

Was findet man denn alles auf der Website?
Hethey: Es geht um Geschichte und Geschichten aus Bremen und umzu, jenseits des hinlänglich Bekannten. Unsere Rubriken sind Serien über Personen und Gebäude, Mini-Serien, Stadtteile, Alltag und Leben, Kultur, Wirtschaft, Sport, Politik und mehr. Außerdem gibt es Lexika und Buchempfehlungen. Wir suchen ständig weitere Erinnerungen, die auf Dachböden, in Pappkartons und Archiven nur darauf warten, entdeckt zu werden.

Wir wollen Erinnerungen teilen, gemeinsam recherchieren und Leute zusammenbringen.

Frank Hethey

Das historische Magazin wird ja online von vielen Bremern mit großem Interesse regelmäßig verfolgt?
Hethey: Genau, viele Menschen in Bremen haben sich so eine Plattform gewünscht und uns mit Daten und Fakten, aber auch mit Rat und Tat unterstützt. Bei uns soll man Stadtteile kennenlernen können, wie es sonst gar nicht möglich war. Und das zu Hause am Bildschirm. Wir sind tatsächlich seit drei Jahren ein aktueller Nachrichtenkanal, da passiert ganz viel. Die Kontakte und Meldungen kommen zumeist über unsere Facebook-Seite oder Twitter, via E-Mail oder als Kommentare über unsere Website.

Jeden Sonntag gibt es eine neue Titelstory?
Hethey: Pro Monat erscheinen rund 15 einzelne Beiträge und immer sonntags starten wir ein neues Titelthema, das mit vielen Informationen und Bildern hinterlegt ist. Zum Beispiel „Wie die Reformation eher zufällig nach Bremen kam“ oder Hintergründe über große Bremer Firmen und Marken, wie „Aufstieg und Fall von Nordmende“ oder über die bekannten Brinkmann-Zigaretten „Lloyd konnte man auch rauchen.“

Frau Fenzau, Sie kümmern sich als Online-Marketing-Managerin um das Netzwerk?
Fenzau: Ja, wir bilden ein Netzwerk, das den Austausch innerhalb der lokalen historischen Szene ermöglicht. Dieses Format gibt es übrigens in keiner anderen deutschen Stadt. Bremen History ist seit Beginn ein zu hundert Prozent privat betriebenes und finanziertes Online-Projekt. Über eine Crowdfunding-Kampagne auf der Internet-Plattform „Startnext“ haben wir im letzten Jahr Mittel gesammelt, um unser Projekt über eine gemeinnützige Gesellschaft zu betreiben und immer weiter auszubauen. Denn es gibt noch so viele Geschichten, die entdeckt und erzählt werden möchten.

Wir bilden ein Netzwerk, das den Austausch innerhalb der lokalen historischen Szene ermöglicht.

Nina Fenzau

www.bremen-history.de
www.startnext.com/bremen-history
facebook.com/bremenhistory
twitter.com/bremenhistory