EINFACH. MEER. (ER)LEBEN.

Endlich Meeresluft schnuppern!
Nach zehn Jahren im Münchner Exil bezog Claudia Mahler eine barrierefreie GEWOBA-Wohnung in Bremerhaven – eine der besten Entscheidungen ihres Lebens, sagt sie.

Claudia Mahler gehört zu den Menschen, für die das Alter nur eine Zahl ist. Zum einen, weil sie seit mittlerweile 30 Jahren von Tag zu Tag lebt. Zum anderen, weil in ihr eine lebenslustige, rebellische Seele wohnt, die einem aus wachen, ewig jungen Augen heraus anstrahlt. Zusammen mit Collie „Teddy“ (10) lebt sie seit März 2018 in einer GEWOBA- Mietwohnung in der Bremerhavener Robert-Blum-Straße und ist hier – laut eigener Aussage – bereits „bekannt wie ein bunter Hund“.

SERVUS, MÜNCHEN.
Was die gebürtige Dänin nach insgesamt zehn Jahren im Münchner Exil nach Bremerhaven verschlug? Kurz gesagt: eine Diagnose. Denn nach einem Jahrzehnt in der bayerischen Landeshauptstadt hatte sich ihre Lungenfunktion in Folge einer schweren Krebserkrankung extrem verschlechtert. Claudia Mahler: „Das Leben in der Großstadt tat mir einfach nicht gut – sowohl körperlich als auch psychisch. Ich bin ein Kind des Nordens und brauche die Nähe zum Wasser. Da kam es mir sehr gelegen, dass mir nun sogar meine Ärzte zu einer Luftveränderung rieten.“

SCHICKSAL ALS NEUANFANG
Claudia Mahler war gerade einmal 17 Jahre alt, als sie die Diagnose Krebs erhielt. Damals hieß es, sie habe noch maximal drei Wochen zu leben. Doch das ließ die zierliche Kämpfernatur schlicht nicht gelten. Die heute 47-Jährige erzählt: „Mir kam nie der Gedanke, dass der Krebs tatsächlich meinen Tod bedeuten könne. Ich habe die Diagnose lediglich als Warnschuss verstanden, nicht mehr ganz so viel Party zu machen und künftig jeden Atemzug ganz bewusst zu genießen. Und genau das hat mir wohl das Leben gerettet.“ Und so wurden aus drei Wochen 30 Jahre, die Claudia Mahler inzwischen mit der Erkrankung lebt.

Konkret geht es um einen Tumor im Bereich des Nasenrachens, in der Fachsprache auch „Nasopharynxkarzinom“, der im Verlauf der Erkrankung das Essen, Trinken, Sprechen und sogar Atmen erschwert. Hin und wieder ist Claudia Mahler auf einen Rollstuhl angewiesen, darüber hinaus lebt sie jedoch noch immer weitestgehend selbständig.

Das Leben in der Großstadt tat mir einfach nicht gut – sowohl körperlich, als auch psychisch. Ich bin ein Kind des Nordens und brauche die Nähe zum Wasser.

Claudia Mahler

MOIN, BREMERHAVEN
Für den Umzug in die Seestadt sprach schließlich eine barrierefreie 2-Zimmer Wohnung mit Badewanne, die Frau Mahler sehr gefiel. „Das ist selten, denn behindertengerechte Wohnungen werden in der Regel mit einer ebenerdigen Dusche ausgestattet.“, erzählt Frau Mahler, „doch ich liebe einfach meine Badewanne.“

Was ihr in Sachen Einrichtung sonst noch wichtig ist, erkennt man auf den ersten Blick, denn die Leidenschaft für das Maritime sieht man auch ihrer Einrichtung an. So zeigt ein großformatiges Foto auf Leinwand – an der Wand gegenüber der Couch – die hypnotisierende Brandung des Meeres. Darunter: ein Regal mit zum Teil selbst verzierten Teelichthaltern, dekoriert mit ein paar naturbelassenen Muscheln. Über dem Fernseher, und somit vom Lieblingsplatz Sofa aus immer im Blick, prangt das Wort „Relax“, geformt aus einem Stück grobem Schiffstau. In der Vitrine links davon finden sich ein paar Fotos ihrer Tochter Christina (25) und den beiden Enkelsöhnen. Und diese drei sind dann wohl auch der einzige Wermutstropfen im Zusammenhang mit Ihrem Umzug von Süd nach Nord. „Wir können uns jetzt natürlich seltener sehen, aber wir schreiben uns täglich.“

Dass sie überhaupt einmal Mutter werden würde, damit hatte Claudia Mahler nach der Krebstherapie nicht gerechnet. Zumal auch ihr damaliger Partner nach Chemo und Bestrahlung als zeugungsunfähig galt. Umso größer war die Freude über ihre kerngesunde Tochter. Claudia Mahler: „Christina ist mein ganz persönliches Wunder. Auch, wenn es mit ihrem Vater und mir langfristig nicht geklappt hat. Tatsächlich habe ich mich nie gefragt, ob ich stark genug sein würde um sie großzuziehen, denn diese Stärke hat sie mir vom ersten Moment an selbst gegeben.“

DAS NÄCHSTE ZIEL: EIN BUCH!
Zeit zum Grübeln und Hadern bleibt Claudia Mahler ohnehin nie. Zwei bis drei Mal täglich geht es mit „Teddy“ vor die Tür. Der verspielte Collie hält sie auf Trab. Für längere Spaziergänge oder Besorgungen steht im hellen Flur des gepflegten Mehrfamilienhauses ein elektrischer Rollstuhl parat. Bei schlechtem Wetter liegt Teddy auf seinem Platz vor dem großen Balkonfenster im vierten Obergeschoss, während sein Frauchen am liebsten das Eisenbahn-Strategiespiel „Rail Nation“ am PC spielt. Zusammen mit Gleichgesinnten tauscht sie sich während des Online-Games aus – über virtuelle Güter-Transporte und das echte Leben.

Stehen die Züge still, wird gebastelt, gepuzzelt oder gelesen – am liebsten Krimis oder Romane. Im Bücherregal findet sich außerdem die komplette Harry Potter-Reihe. Und überhaupt haben Bücher eine große Bedeutung im Leben von Claudia Mahler. Eine so große, dass sie seit einem dreiviertel Jahr sogar selbst an einem Buch schreibt. Noch in diesem Jahr soll es fertig werden. Worum es geht? Um die wohl größte Leidenschaft der 47-Jährigen: das Finden von Antworten! In diesem Fall geht es jedoch nicht um einen übergeordneten (Lebens-)Sinn, sondern um Politisches. Claudia Mahler: „Als Frau mit gesundheitlichen Einschränkungen, Mutter, Frau und denkender Mensch fallen mir hierzulande sehr viele Dinge auf, die nicht ganz rund laufen oder schlicht nicht zu Ende gedacht sind. Ich will aber nicht (nur) meckern, daher liefere ich in meinem Buch zu jedem Problem die meiner Meinung nach möglichen Lösungen gleich mit. Mein Lebensmotto: Es ändert sich nichts, solange man schweigt. So wie ich ist das Buch also geradeheraus. Ich sage meine Meinung, ehrlich, direkt und zur Not auch mal laut. Das zum Beispiel ist meiner Tochter dann extrem peinlich“, lacht die 47-Jährige.

RAUE SCHÖNHEIT: BREMERHAVEN
Und so spricht neben dem gesundheitlichen Aspekt und der Nähe zum Wasser auch das für Norddeutschland: „Hier oben sagt man einander auf den Kopf zu, wenn einem etwas nicht passt. Das liegt mir viel eher als die Bussi- Bussi-Gesellschaft im schönen München. Und dazu kommt: Wo auch immer ich hinkomme, erlebe ich die Menschen in Bremen und Bremerhaven als extrem hilfsbereit. Die prügeln sich schon fast, um mir in den Bus zu helfen oder etwas aus dem oberen Regal im Supermarkt zu reichen,“ erzählt Claudia Mahler lachend. „Zu den tollsten Erlebnissen hier gehört aber, dass mir eine GEWOBA-Mitarbeiterin nicht nur mit Rat und Tat zur Seite stand, sondern sogar den kostenfreien Einbau meiner rollstuhlgerechten Küche veranlasste, sowie das Verlegen eines Hunde- und Behindertengerechten Bodenbelags. Sie und ihr Freund halfen mir schließlich sogar beim Umzug. Juliane und ich treffen uns immer noch, unternehmen Ausflüge oder gehen Kaffeetrinken. Als nächstes haben wir einen Besuch des Klimahauses und im „Zoo am Meer“ geplant, ein Ausflug auf den ich mich seit meinem Einzug freue. Kurz gesagt: ich habe eine Wohnung gesucht – aber ein Zuhause mit Familienanschluss bekommen. MEER geht nicht.“

Hier oben sagt man einander auf den Kopf zu, wenn einem etwas nicht passt. Das liegt mir viel eher als die Bussi-Bussi-Gesellschaft im schönen München.

Claudia Mahler