Ausflugsente Deluxe

Friedrich Pajers interner Tacho zählt viele Kilometer. Sie reichen vermutlich für zwei Erdumrundungen. Als Eigentümer von mehr als 20 verschiedenen Autotypen und 12 Motorrädern genoss er den Fahrtwind im Gesicht. Seit ein paar Jahren hat er die Geschwindigkeit gedrosselt. Der Motor seines letzten Schatzes, einem Lomax, schnarrt nur noch selten.

Heute schätzt Friedrich Pajer Bequemlichkeit: Der „alltagstaugliche“ VW-Bus des 81-Jährigen ist gemütlich ausgestattet und dient für die täglichen Erledigungen. „Nach dem Einkaufen ruhe ich mich dort aus“, schmunzelt er. Früher durfte es bei dem Autonarr gerne schnittig-sportlich zugehen. Schicke Sportwagen sollten es sein, egal ob Jaguar, Audi oder Ford.

Durch seine Motorenleidenschaft kennt der Vahrer alle Autotypen. Nur einen Citroën fuhr er nie – bis vor elf Jahren. Nun schlummert ein gemütlicher Franzose mit britischen Wurzeln in seiner Garage: der Lomax, ein Roadster-Bausatzauto auf Basis des Citroën 2CV, besser bekannt als Ente.

Aus zwei mach eins

Der Bastler kaufte zwei alte Citroëns und nutzte „Herz und Nieren“ für den Klassiker. „Viele Armaturen sind von Hand aufwendig gefertigt“, Pajer streicht andächtig über das glänzende Chrom. Die Endmontage erledigten Verwandte in Polen und fuhren das Gefährt pünktlich zum 70. Geburtstag des stolzen Eigentümers vor seine Haustür in der Vahr. Heute hat der Roadster im glänzenden Bordeauxrot 70.000 Kilometer auf dem Tacho. Pajer zeigte sein Schmuckstück bei Oldtimershows und nahm an Rallyes teil. Zu kurzen Ausfahrten wird der Witwer von Freundin Maria Neumann begleitet. „Ich verstehe nicht so viel von Autos, habe auch keinen Führerschein. Aber die wichtigsten Daten vom Lomax kann ich mittlerweile runterbeten: Es ist eine umgebaute Ente, Baujahr 1986“, so Neumann. Auskunft geben müssen die beiden häufig, denn es bleiben immer wieder Neugierige stehen. Staunen, schauen, anfassen – das blank geputzte Schätzchen zieht die Blicke auf sich. Und auch die Fahrer sind mit Lederkäppis und Schutzbrillen stilecht ausgestattet.

Meine ganze Familie interessiert sich für Autos. Sie fahren alle selbst und teilen bis heute das Hobby mit mir.

Friedrich Pajer

Autonarr seit Kindertagen

Pajers Leidenschaft für Motoren und Schrauben erwachte bereits im Alter von zwölf Jahren. „Damals putzte ich das Motorrad eines Bekannten. Einmal durfte ich als Dank dafür damit fahren.“ Seitdem spürt der gelernte Dreher das Motoröl im Blut. Mit 16 Jahren machte er den Lkw-Führerschein. Unterwegs war der Vater dreier Kinder seither immer – beruflich und privat. „Meine ganze Familie interessiert sich für Autos. Sie fahren alle selbst und teilen bis heute das Hobby mit mir.“

Mit dem Sommer erwacht die Saison für das verdecklose Gefährt. Weit hinaus geht es nicht mehr, bis nach Huchting und bei schönem Wetter „von Ampel zu Ampel“, lacht Pajer. Das Ziel ist fast egal, Hauptsache die 29 Pferde unter der Haube brummen und der Wagen mit den butterweichen Federn schaukelt gemütlich über die Straßen.