Huchtinger Hügelgarten: Urbanes Gartenglück

Im Hügelgarten an der Kirchhuchtinger Landstraße gedeihen nicht nur Sonnenblumen, Mangold, Kartoffeln und Tomaten. Unter den Anwohner*innen wächst auch das Nachbarschaftsgefühl.

„Cathrin, darf ich eine Möhre haben?“ Mohammed steht mit seiner grünen Gießkanne vor einem Hochbeet, in dem das Möhrengrün schon üppig über die benachbarten Erdbeeren gewachsen ist. Gemeinsam mit seinem Bruder Hamza hat er gerade eifrig alle Gemüsepflanzen gegossen, die in den selbstgebauten Holzkisten wachsen. „Der Huchtinger Hügelgarten“ steht auf den Schildern, die daran befestigt sind. Mit Ausrufezeichen. Das Ausrufezeichen passt. Denn Aufmerksamkeit hat der Hügelgarten erregt bei den Menschen, die in den Etagenwohnungen der Kirchhuchtinger Landstraße 153 bis 163 wohnen. Seit dem Frühjahr wächst zwischen den Häusern nicht nur Gras, sondern allerlei Gemüse, Kräuter, Obst und Blumen: Kartoffeln und Tomaten, Zuckerschoten und Erdbeeren, Knoblauch, Mangold, Salat und verschiedene Kohlsorten teilen sich die Beete mit Kapuzinerkresse, Kornblumen, Phacelia, Borretsch, Sonnenblumen und mehr, alles in Bio-Qualität.

Alle machen mit
Angelegt haben den Garten die Bewohner*innen selbst – mit Unterstützung und Anleitung von Cathrin Eisenstein von Arbeit & Ökologie e. V. Sie betreut das Urban-Gardening-Projekt, das vom Huchtinger Klimaprojekt des Bürger- und Sozialzentrums initiiert wurde. Finanziert wird es von der GEWOBA sowie den Programmen Wohnen in Nachbarschaften, Soziale Stadt und dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr.

Etwa 150 Quadratmeter groß ist der Garten, der hauptsächlich aus drei Hügelbeeten besteht. „Die Hügel waren schon vorher da. Sie sind durch den Bau von Tarzan und Jane entstanden“, erzählt Cathrin Eisenstein mit Blick auf den preisgekrönten GEWOBA-Neubau, der das Areal zu einer Seite hin begrenzt. Damit sie die Erhebungen bepflanzen konnten, mussten die Bewohner*innen die Hügel zunächst vom Rasen befreien, alte Erde abtragen und frische aufschütten: „Zwei Lastwagen Strukturkompost haben wir im April verteilt. Eine Knochenarbeit, bei der aber alle mit angepackt haben: Kinder und Erwachsene, Frauen und Männer“, erinnert sich Cathrin Eisenstein. „Das war wirklich super.“ Freude über die erste Ernte

Der Garten ist ein neuer Treffpunkt für uns.

Mounira Albers, Anwohnerin

Die Begeisterung fürs essbare Grün hat seitdem bei vielen Bewohner*innen nicht nachgelassen – selbst wenn es um lästige, im Sommer aber notwendige Arbeiten wie regelmäßiges Gießen geht. Etwa zehn Personen gehören derzeit fest zur ehrenamtlichen Gartengruppe – plus Nachwuchsgärtner*innen wie Mohammed, der inzwischen seine Möhre aus der Erde gezogen hat.

Auch Süleyman Kiziltan macht sich ans Ernten. Mit vor Freude strahlendem Gesicht verteilt er Zucchini an alle, die von dem grünen Gemüse nicht genug bekommen können. Und das sind einige: „Die Zucchini schmecken viel besser als die gekauften aus dem Laden“, sagt seine Ehefrau Sabi.

Austausch unter Nachbarn
Im Laufe des Abends füllt sich der Rasen zwischen den bunten Inseln mit Leben. Frauen, Männer und Kinder kommen aus den Häusern, Anwohner*innen schauen aus geöffneten Fenstern. „Früher haben hier die Kinder gespielt. Heute kommen auch wir Erwachsenen hierher, machen Picknick und reden“, sagt Mounira Albers. „Der Garten ist ein neuer Treffpunkt für uns.“

Die Erwachsenen tauschen dabei gerne ihr Gartenwissen aus, das sie von Haus aus mitbringen oder sich im Internet frisch angelesen haben. Zainab Mohamed beispielsweise hatte früher in Syrien einen Garten. Marc Binder wiederum ist leidenschaftlicher Balkon-Gärtner, kann aber auch dem Wühlen auf ebener Erde etwas abgewinnen. Neben einigen Hummeln und Wildbienen hat er vier unterschiedliche Schmetterlinge in den Mischbeeten und Blühstreifen gesichtet: „Admiral, Kleiner Fuchs und Distelfalter waren dabei – und natürlich der Kohlweißling.“ Auch die offenen Gartentage und Fachseminare, die Cathrin Eisenstein organisiert, kommen gut an in der Nachbarschaft.

Wie alle klugen Gärtner*innen planen die Anwohner*innen schon fürs nächste Jahr: Jetzt im Herbst sollen kleine Obstbäume für eine Streuobstwiese gepflanzt und zeitnah zwei Sitzbänke und eine Pergola für den neuen Treffpunkt errichtet werden. Den niedrigen Zaun, der das Areal derzeit umgibt, will die GEWOBA großzügiger öffnen. „Dann können auch Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühle direkt auf das Gelände fahren und noch mehr Menschen diese kleine Oase genießen“, berichten Heiko Roquette und Michael Borau von der GEWOBA.