Sauerstoff & Seelenruhe

Tautropfen glitzern in der Sonne. Rehe durchstreifen die Auen. Irgendwo klopft ein Specht. Ein neuer Tag bricht an im Bürgerpark.

Tief durchatmen. Die Ruhe genießen. Was gibt es Schöneres, als an einem strahlenden Sommertag frühmorgens durch den Bürgerpark zu radeln oder zu joggen? Oder einfach auf einer Parkbank sitzen und die Seele baumeln lassen. Mitten im Grünen. Mitten in der Stadt. Eine Idylle wie aus dem Bilderbuch. Als Corona das Reisen so gut wie unmöglich gemacht hat, haben viele Bremerinnen und Bremer ihren Bürgerpark neu entdeckt. Als Alltags-Oase. Als Kraftspender. Als Treffpunkt für Freunde und Familie.

GRÖSSER ALS DER HYDE-PARK IN LONDON
Wie sehr der Bürgerpark gerade in der Pandemie geschätzt wird, ist vor allem an Wochenenden zu erleben. Da geht es schon mal deutlich lauter und wuseliger als gewöhnlich zu, wenn viele Familien in den Park strömen, um sich eine kleine Auszeit zu gönnen. Was sie hier finden, ist in mancher Hinsicht einzigartig. „Als einer der wenigen fast vollständig erhaltenen gartenkünstlerischen Schöpfungen des 19. Jahrhunderts zählt der Bürgerpark zu den bedeutendsten Landschaftsparks in Deutschland“, heißt es auf der Website des Bürgerparkvereins. Mit einer Fläche von mehr als 200 Hektar ist der Bürgerpark inklusive Stadtwald deutlich größer als z. B. der Hyde-Park in London oder der Retiro in Madrid.

Ana Gómez kommt aus Madrid. Seit über 30 Jahren lebt die Spanierin in Bremen. Auch sie gehört in diesen Tagen zu den vielen Besucherinnen und Besuchern. „Ich freue mich jedes Mal über die Natur. Es ist wunderschön hier und erfrischend. Egal ob ich mit dem Rad durchfahre oder auf der Finnbahn laufe“, fasst sie ihr Bild vom Bürgerpark zusammen. Die Faszination, die von dieser Parklandschaft ausgeht, haben wir vor allem dem Gartenarchitekten Wilhelm Benque zu verdanken, auf dessen Plan von 1866 der Park beruht. Noch heute gilt sein Entwurf als Richtlinie für Pflege und Neupflanzungen.

EIN STÜCK HARZ MITTEN IN BREMEN
Baumfans fühlen sich hier pudelwohl. Der Eichenhain im mittel-östlichen Bereich nahe der Parkallee vereint rund 20 verschiedene Eichenarten. Zu den seltenen Einzelgehölzen gehört der aus China stammende Taschentuchbaum, dessen weiße Hochblätter wie Papiertaschentücher zwischen den Ästen flattern. Ein Exemplar findet man in unmittelbarer Nähe zur Bürgerparkverwaltung. Extravagant präsentiert sich auch der Blauglockenbaum mit seinen spektakulären blau-violetten Blüten. Im Herbst sind es die Esskastanien am Marcus-Brunnen, deren Früchte von Groß und Klein gesammelt werden.

Auch Nadelbäume gibt es im Bürgerpark, wie der Fichtenhain am Südostrand des Parks mit verschiedenen Gehölzen beweist. „Mit der Pflanzung von Fichten wollte man ein Stück Harz nach Bremen holen“, erzählt der Bremer Gartenbauingenieur Jörn Paland. „Der Harz war zur Gründungszeit ein beliebtes Reiseziel, das sich aber längst nicht alle leisten konnten. Also versuchte man, das Harzerlebnis im Bürgerpark zu imitieren, eine bürgernahe Idee im besten Sinne.“ Es lohnt sich auch, genau hinzuhören: „Wenn die großen Fichten auf der Ostseite des Parks im Wind rauschen, ist das eine ganz eigene Atmosphäre. Es hört sich deutlich anders an als das Rauschen der Laubbäume“, betont Paland.

Wer sich für Bäume, Bienen & Co interessiert, begibt sich auf den Natur- und Lehrpfad im angrenzenden Stadtwald. „Nur was der Mensch kennt, kann er schützen“ ist das Motto des 3 km langen Pfades, der auf 18 Stationen so manche kluge Frage beantwortet.

Der Bürgerpark bedeutet für mich Erholung. Schönheit der Natur. Im Sommer vor allem Frische.

Ana Gómez, in Bremen lebende Spanierin

JEDER BESUCH EIN „MINI-URLAUB“
Alpakas im Tiergehege gucken, für den GEWOBA City Triathlon trainieren, eine Partie Minigolf spielen, im Ruderboot oder im Elektro-Motorschiff MARIE durch die Parkgewässer gleiten: Der Bürgerpark ist nicht nur die grüne Lunge Bremens, sondern auch ein Paradies für Sport- und Freizeitaktivitäten. Sommerveranstaltungen wie „Shakespeare im Park“ und „Musik und Licht am Hollersee“ sind traditionelle Publikumsmagneten. Die kulinarische Seite kommt ebenfalls nicht zu kurz. Vom Frühschoppen in der Waldbühne über den Eisbecher im „emma am See“ bis zum edlen Menü in der Meierei hat der Bürgerpark für jeden Geschmack etwas zu bieten. Es gibt also Gründe genug, den Bürgerpark zu genießen und sich für ihn einzusetzen. Die nächste Bürgerpark-Tombola bietet Gelegenheit dazu.

Bürgerpark Bremen: Daten & Fakten
Der Bürgerpark Bremen wurde nach Plänen des Gartenarchitekten und -künstlers Wilhelm Benque entworfen. Als Hauptideengeber für die Aufforstung des ursprünglichen Wiesengeländes gilt der Kaufmann Johann Hermann Holler. Der erste Spatenstich erfolgte am 28. Juni 1866. Elf Jahre später wurde der Kaufmann Franz Ernst Schütte Vorsitzender des Bürgerparkvereins. Er trieb das Projekt entscheidend voran, so dass der Bürgerpark 1886 voll ausgestaltet war.

Bis heute wird der Bürgerpark überwiegend ohne staatliche Steuermittel finanziert. Das ist einmalig in Deutschland. Für die Pflege, Verwaltung und Finanzierung ist der Bürgerparkverein zuständig. Seine Mitglieder und Förderer sind die tragende Säule. Besonders wichtig ist auch die jährliche Bürgerpark-Tombola, die bereits seit 1953 wesentlich zum Erhalt des Parks beiträgt.