Schöne Aussichten

Die umfassende Renovierung ihrer GEWOBA-Mietwohnung machte für das Ehepaar Wegener aus vier Wänden ein Zuhause. Annett Wegener erzählt, warum sie und ihr Mann all das immer wieder auf sich nehmen würden.

In dem gepflegten Mehrfamilienhaus in der Bremer Neustadt leben 16 Parteien, zwei auf jeder Etage. Im obersten Stockwerk hat sich das Ehepaar Wegener seinen ganz persönlichen Wohntraum erfüllt und genießt hier – auf rund 90 Quadratmetern – eine unbezahlbar-schöne Aussicht auf Bremen und (!) die gemeinsame Zukunft.

GEMEINSAM GEHT ES HOCH HINAUS

Die GEWOBA-Wohnung in der Karl-Lerbs-Straße, die Herr Wegener sich zunächst alleine anschaute, entsprach so gar nicht den Vorstellungen seiner Frau: „Siebter Stock? Ohne mich!“ Doch ihr Mann ließ nicht locker, bis sie schließlich in die gemeinsame Besichtigung der 4-Zimmer-Wohnung einwilligte. „Es war ein sonniger Tag im Juni 2011, die Räume waren lichtdurchflutet – doch das Faszinierendste war der Blick aus der großen Fensterfront des Wohnzimmers und vom Balkon aus“, schwärmt Annett Wegener. Und in der Tat ist die Lage dieses Hauses etwas ganz Besonderes: Am rückwärtigen Teil des weißen, gradlinigen Baus aus dem Jahr 1956, der die umstehenden Häuser um mehrere Meter überragt, ist der Blick frei auf den Bremer Südwesten. Zudem punktet das Gebäude mit einem Aufzug.

Das Faszinierendste war der Blick aus der großen Fensterfront des Wohnzimmers und vom Balkon aus.

Annett Wegener über die erste Wohnungsbesichtigung

RENOVIERUNGS-OFFENSIVE IN EIGENREGIE

Mit seiner neuen Bleibe hatte das Ehepaar große Pläne und so folgte etwa fünf Jahre nach dem Einzug, im Oktober 2016, der Startschuss für ihre Renovierungs-Offensive. Bis auf den kleinsten der vier Wohnräume, der Frau Wegener als Bügelzimmer dient, wurden alle Wände fein verputzt, mit Vlies tapeziert und gestrichen. Die Farbauswahl im Wohnzimmer changiert nun von Creme- zu Brauntönen bis hin zu kräftigem Terrakotta. Die kleine, modern eingerichtete Küche schmückt eine Wand im warmen Brombeerton. Die übrigen Räume erstrahlen in reinem Weiß. Darüber hinaus wurden die Fensterstürze mit Schienen begradigt und die Decken mehrfach abgeschliffen. Bremer Fußleisten in reinem Weiß korrespondieren mit gleichfarbigen Sockelleisten. Die Türen wurden überarbeitet und bekamen neue Glaseinsätze.

Aus der einstigen Studentenbude ist so ein echtes Schmuckstück geworden. Annett Wegener: „Dass viele so gar nicht verstehen, warum wir gleich mehrere tausend Euro in die Gestaltung einer Mietwohnung stecken, ist uns natürlich klar. Aber – warum eigentlich nicht? Wir mieten nicht von Privat, ein ‚Eigenbedarf’ kann uns nicht in die Quere kommen. Und: Wir gehen hier nicht mehr weg! Warum sollten wir es uns nicht so schön wie möglich machen?“ Kurzum: Die Wegeners sind gekommen, um zu bleiben. Und das, obwohl sie nach der Wende eigentlich immer irgendwann einmal zurück in die Heimat wollten.

WIE ALLES BEGANN

Schon vor rund 30 Jahren, während eines Besuchs zum 60. Geburtstag der Tante ihres Mannes, verliebte sich Annett Wegener in die Hansestadt. „Tatsächlich waren es die unzähligen, bunten Paprika auf dem Wochenmarkt am Liebfrauenkirchhof und die funkelnde Lichtersäule im Rolltreppenaufgang des Kaufhauses Horten, die mich nicht mehr ruhig schlafen ließen. Meinen Mann übrigens auch nicht, denn von da an lag ich ihm pausenlos mit meinen Ausreiseplänen in den Ohren.“ Und so bezog das junge Ehepaar, zusammen mit seinem knapp fünfjährigen Sohn Marcus, nur kurze Zeit nach Bewilligung seiner Ausreise aus der DDR (1989), eine Neustädter Werkswohnung der GEWOBA.

IM FOKUS: TRADITION & NATÜRLICHKEIT

Damals wie heute setzte das Ehepaar bei der Gestaltung und Einrichtung auf natürliche Materialien und Farben. In der neuen Wohnung erinnert der hochwertige, ebenfalls neu verlegte Vinylboden an Eichenparkett – ganz im Sinne eines modernen Landhausstils. Dazu passen die neue Wohnwand und der große Esstisch aus hellem, massiven Holz.

Das absolute Lieblingsstück begleitet die Wegeners dagegen schon sehr lange: der Regulator von Annett Wegeners Urgroßmutter, eine kastenförmige Pendeluhr aus dunklem Holz, die ihren Platz an der Wand gegenüber des Fernsehers hat. Und eben diese Uhr gibt den Takt an, für das harmonische Miteinander seit über 34 Ehejahren. Denn das Bewahren von Traditionen sowie der Zusammenhalt der Familie sind den beiden extrem wichtig. Und das spiegelt auch ihre Einrichtung wider – diese perfekte Harmonie aus Alt und Neu, aus Erbstücken und gemeinsam gesammelten Erinnerungen.

Frau Wegener führt diesbezüglich im Kopf sogar eine Wunschliste. Den kleinen Abstellraum, der vom Flur des Eingangsbereiches abgeht, verschließt eine platzsparende Schiebetür. „Hier wünsche ich mir statt der weißen Tür eine alte Stalltür“, erzählt die 52-Jährige, „als Kontrast zum reinen Weiß ringsum. Vielleicht finden wir so eine, wenn wir im Sommer in Süddeutschland unterwegs sind.“
Gegenüber der Schiebetür wurde die alte Mehltruhe der Oma zum Schuhschrank umfunktioniert. Den Garderobenschrank wiederum flankieren Erinnerungsstücke gleich mehrerer Generationen. Rechts: Das Lieblingsspielzeug des Herrn Wegener in Kindheitstagen, ein bunt bemaltes Feuerwehrfahrzeug. Links, der Kinderstuhl seiner Frau, dessen Sitzfläche eine lieb gewonnene Kerbe ziert: „Da hat mein Bruder an meinem Stuhl gesägt“, lacht die gebürtige Lausitzerin, „buchstäblich!“ Auf dem Stuhl ist das handbestickte Kissen der Kinderwagenausstattung ihres Mannes drapiert sowie der erste Teddy ihres Sohnes.

Wir gehen hier nicht mehr weg! Warum sollten wir es uns nicht so schön wie möglich machen?

Annett Wegener

FREIE SICHT & WOHLFÜHL-ATMOSPHÄRE

An der Wand des Flures fungieren kalligrafierte Sprüche als Hingucker. „Mir langts!“ steht da unter anderem, der Lieblingsspruch der Großmutter des Herrn Wegener. Ein Gefühl, dass Frau Wegener kennt. Sie arbeitet als Erzieherin in einem Huchtinger Kindergarten. Erst 2017 feierte sie hier ihr 25-jähriges Dienstjubiläum. „Ich liebe meine Arbeit und natürlich die Kinder,“ erzählt die 52-Jährige, „aber wenn ich hier am Abend die Tür hinter mir schließe, bin ich froh um jeden stillen Moment.“

Ein weiterer Vorteil, wenn man buchstäblich über allem und jedem wohnt: die Ruhe. Im Sommer beginnt der Feierabend daher traditionell auf dem Balkon. Bei einem kühlen Alster genießen die Wegeners hier den beinahe meditativen Blick in die Ferne.

Sohn Marcus (33) hat inzwischen geheiratet und lebt mit seiner Frau in Horn – nah genug für regelmäßige Besuche. „Von der Neustadt aus lässt sich alles ganz wunderbar erreichen,“ erzählt Frau Wegener weiter, „der Stadtteil ist bunt, lebhaft und der perfekte Ausgangspunkt für unsere Fahrradtouren im Sommer“. Und das ist wichtig, denn bei gutem Wetter radelt das Ehepaar auf seinen E-Bikes durchs Blockland, zum Weserwehr, entlang des Werdersees und noch viel, viel weiter. Rast legen sie am liebsten an der Schlachte ein, bevor es zurück nach Hause geht.

VIER WÄNDE = EIN ZUHAUSE

Dort angekommen, macht es sich Frau Wegener am liebsten auf dem ledernen Relaxsessel mit passendem Fußhocker gemütlich. Von hier aus schaut sie zusammen mit ihrem Mann fern und strickt – oder sie besprechen ihr nächstes Projekt. Auf Platz eins der Renovierungs-Agenda für 2018: Die Fensterbänke! Zum Einzug waren diese Schwarz und wurden einheitlich Weiß gestrichen – jetzt sollen sie mit Marmor oder Naturstein verkleidet werden. Die perfekte Grundlage für die dort arrangierten, zarten Orchideen und „Willow Tree“-Figuren. „Fertig ist man ja eigentlich nie“, seufzt Annett Wegener, „aber es wird!“