Supermans letzter Einsatz

Auf der Recycling-Station Hohentor sammelt die Bremer Stadtreinigung Grünschnitt, Sperrmüll, Kleidung, Elektrogeräte und anderen Abfall. Auch so manch ungewöhnlicher Gegenstand wird dort für die Wiederverwertung abgegeben.

Superman hat ausgedient. Lange Zeit wohnte er bei Isabell Lubin. Jetzt liegt er unter einem alten Lattenrost im Kofferraum des Autos und wartet auf sein Schicksal. „Ich habe keine Ahnung, was ich damit machen soll“, sagt seine Noch-Besitzerin. „Wo kommt der denn hin?“ Detlef Klerings von der Recycling-Station hat die Antwort sofort parat: Die bemalte Spanplatte mit dem ausgeschnittenen Kopf ist Bauabfall. Und so endet Supermans letzter Einsatz in einem weißen Container zwischen Brettern und Laminat. Vier Euro zahlt Isabell Lubin dafür – und ist froh, dass sie den Staubfänger los ist. Sie kommt regelmäßig zur Recycling-Station und gibt dort alles ab, was sie nicht mehr brauchen kann oder kaputt ist: „Wo sollte ich es sonst hinbringen?“

Trend zu mehr Nachhaltigkeit
Isabell Lubin ist nicht die einzige, die an diesem Dienstagnachmittag Detlef Klerings und seine Kollegen besuchte. Lasten- und Fahrräder, gemietete Transporter und Autos mit und ohne Anhänger fahren im Minutentakt aufs Gelände Am Hohentorsplatz 8. Es ist ein ständiges Kommen und Fahren – aber laut Detlef Klerings kein Vergleich zu dem, was sonnabends los ist. „An die 1.000 Kunden kommen am Wochenende vorbei“, sagt er. Vor allem im Frühjahr und im Herbst sei viel los, wenn die Gartenbesitzer*innen Grünschnitt und Laub entsorgen wollten. Wo die Gartenabfälle hingehören, wissen die Kund*innen in der Regel. Bei allen anderen Fragen helfen die Mitarbeiter der Bremer Stadtreinigung weiter, damit die Materialien wiederverwertet werden können: „Aus alten Toastern oder Staubsaugern werden wertvolle Metalle wie Kupfer gewonnen, Bauschutt kann für den Straßenbau verwendet werden und Gartenabfälle werden zu Pflanzenerde und Kompost verarbeitet“, erklärt Jasmin Kornau-Pitzer, Referatsleiterin für den Betrieb der Recycling-Stationen. Und diese Wiederverwertung ist ihrer Ansicht nach sinnvoll: „Recycling schont die Umwelt und die Ressourcen.“

Aus alten Toastern oder Staubsaugern werden wertvolle Metalle wie Kupfer gewonnen, Bauschutt kann für den
Straßenbau verwendet werden und Gartenabfälle werden zu Pflanzenerde und Kompost verarbeitet.

Jasmin Kornau-Pitzer

„Muss das wirklich weg?“
Manches noch gute Stück findet über die Stationen aber auch neue Besitzer: Neben dem Standort in Findorff betreibt die Gröpelinger Recycling Initiative e. V. (gri) einen Second-Hand-Laden, in dem man dort abgegebene Haushaltsgegenstände, Bücher und Kleidung bekommen kann. Fernseher, Staubsauger und andere Kleinelektronik gibt die Bremer Stadtreinigung an gemeinnützige Organisationen wie die Innere Mission weiter. „Dort werden die Geräte geprüft, auf Stand gebracht und für wenig Geld wieder verkauft“, sagt Detlef Klerings. Bis vor Kurzem gab es auch auf der Recycling-Station Hohentor noch eine Tauschbörse – eine kleine Hütte, in der gut erhaltene Bücher, Vasen oder Schallplatten die Besitzer*innen wechseln konnten. „Leider haben manche die Gelegenheit genutzt, um dort kostenlos ihren Restmüll zu entsorgen“, sagt Jasmin Kornau-Pitzer. „Wir überlegen, ob wir das Projekt weiter machen wollen.“

Zu gut für den Müll ist eigentlich auch die Wäscheschleuder von Cornelia Ullrich. Sie hat den Keller ihres Elternhauses entrümpelt und sie dabei entdeckt. „Die Wäscheschleuder stammt aus den 60er-Jahren und funktioniert auch noch. Sie ist aber nicht mehr zeitgemäß: Keiner wollte sie mehr haben“, sagt sie.

Kein Trennungsschmerz
Auch die übrigen Mitbringsel verteilen Cornelia Ullrich und ihr Lebensgefährte auf Container – ausgestattet mit grünen Gummihandschuhen und steigender Begeisterung. Detlef Klerings erklärt ihnen, was sie wohin tragen müssen: Wasserhähne, Türschlösser, Schrauben, Werkzeuge und eine Gugelhupf-Form kommen in den Metallcontainer. Ein Schreibtisch, Schubladen und Schrankwände, Bodenbeläge und Teppiche werfen sie zum Sperrmüll. Alte Bretter und eine Zimmertür landen bei Superman in den Bauabfällen. „Das alte Zeug muss weg“, sagt Cornelia Ullrich, „das vermodert sonst im Keller.“

Immer schneller leert sich so der Anhänger, bis sie in einer alten Zinkschüssel ein Paar Rollschuhe entdeckt. Die breiten schwarzen Rollen sind unter Metallschienen angebracht. In den roten Lederschlaufen hatte sie früher ihre Schuhe festgebunden. „Über 40 Jahre sind die Rollschuhe alt, damit bin ich gern gefahren“, sagt Cornelia Ullrich nachdenklich – und fasst einen Entschluss: Die Rollschuhe müssen bleiben. „Einmal möchte ich das noch probieren. Und dann können sie vielleicht auch weg.“

Recycling & Co. in Bremen
Insgesamt 16 Recycling-Stationen gibt es in Bremen. Neben Bio- und Restmüll, Glas, Papier und Pappe sowie Verkaufsverpackungen aus dem Gelben Sack kann man dort auch einiges mehr entsorgen: Batterien und Akkus, CDs und DVDs, Druckerpartronen und Tonerkartuschen, Metalle, Textilien und Schuhe, kleine Elektrogeräte, Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren. Gartenabfälle werden in einer Menge von maximal einem Kubikmeter angenommen. Die Standorte Blumenthal, Hohentor und Hulsberg sind sogenannte Plus-Stationen. Dort kann man auch Bauabfälle und Sperrmüll entsorgen.
Eine Übersicht aller Stationen und ihrer Öffnungszeiten gibt es im Internet:
www.die-bremer-stadtreinigung.de

Richtig trennen mit dem Abfall-ABC
Wussten Sie, dass nicht alles, was aus Plastik ist, auch in den Gelben Sack kommt? Damit Sie Ihren Müll richtig trennen, hat die Bremer Stadtreinigung auf ihrer Website ein Abfall-ABC erstellt. Klicken Sie mal rein, da lernt man
immer was Neues!
www.die-bremer-stadtreinigung.de

Wilde Müllkippen melden
Sie haben wild abgestellten Müll wie blaue Säcke, Kühlschränke oder alte Ölkanister entdeckt? Melden Sie diesen direkt bei der Bremer Stadtreinigung:
0421 361-3611
info@dbs.bremen.de

Zu schade zum Wegwerfen?
Manche Sachen sind zu gut für den Sperrmüll. Sie können diese auf dem
Flohmarkt verkaufen, über ein Schwarzes Brett anbieten und bei gemeinnützigen Initiativen abgeben. Eine Übersicht finden Sie zum Beispiel unter:
www.gebraucht-und-gut.de