„Wir wollen Gottesdienste feiern, auf die wir selber Bock haben!“

Das ev.-luth. Pastoren-Duo Max Bode (29) und Chris Schlicht (31) predigt in Jeans und Turnschuhen zum Priesterkragen. Seit Juni 2020 teilen sich die beiden Freunde eine Pastorenstelle in der Bremerhavener Emmaus-Gemeinde. Im Gespräch mit dem GEWOBA Magazin erzählen sie, wie sie mit „Zuhause-Gottesdiensten“ nicht nur der jungen Generation wieder Lust auf Kirche machen.

Was ist die Idee hinter der „Zuhause-Kirche“?
Chris: Wir wollen Gottesdienste feiern, auf die wir selber Bock haben – und, die wirklich jeder versteht. Darum kommen wir in den Klamotten, in denen wir uns am wohlsten fühlen, haben eine Live-Band, lassen Latein weg und sind eben einfach so, wie wir sind. Was wir schaffen wollen, ist ein Gefühl von bedingungsloser Liebe und Geborgenheit – Zuhause eben.

Wir haben eine Live-Band, lassen Latein weg und sind eben einfach so, wie wir sind.

Chris Schlicht

Was gibt es sonst, das ihr in den vergangenen fünf Monaten auf den Weg gebracht habt?
Max: Leider hat uns Corona komplett ausgebremst, was die Planung von Veranstaltungen angeht, doch umso mehr konnten wir uns online austoben. Mittlerweile zeigen wir Live-Streams unserer Gottesdienste, damit uns alle Menschen von überallher an jedem Sonntag begleiten können. Wer lieber ausschläft, findet das Video später in der Mediathek. Zudem haben wir die Aktivität in unseren Instagram-Kanälen verstärkt.

Warum ist Instagram für „Kirche 2020“ wichtig?
Chris: Zum einen, um auch die jüngere Generation zu erreichen, zum anderen, um sicht- und greifbar zu bleiben, wenn sich die Kirchentür geschlossen hat.
Max: Außerdem schaffen wir Nähe, indem wir zeigen, wer wir sind und sogar nicht ganz so schmeichelhafte Einblicke zulassen. Auch Geistliche fallen durch Prüfungen, trinken Bier oder bauen mal richtig Mist. Und sie fahren Skateboard, sind tätowiert oder haben lilafarbene Haare, treffen sich mit Freunden, gehen auf Konzerte oder zocken an der Konsole.

Auch Geistliche fallen durch Prüfungen, trinken Bier oder bauen mal richtig Mist.

Max Bode

Und – wie sind die bisherigen Reaktionen auf euch und das neue Konzept?
Chris: Tatsächlich durchweg positiv! Zu den schönsten Momente gehört für mich, als eine über 80-Jährige nach dem Gottesdienst zu uns kam mit Tränen in den Augen, um uns zu danken. Sie habe nicht gewusst, dass Kirche so sein kann – so, dass sie die ganze Woche von dem beschwingten Gefühl zehren könne. Ein weiterer Erfolg: Ein paar der regelmäßigen Kirchgänger*innen kommen inzwischen ganz entspannt in Jogginghosen. Die Botschaft ist also angekommen!

Ihr sagt selbst, dass ihr in kurzer Zeit deutlich mehr erreicht habt, als ihr gehofft habt.
Chris: Ja, weil Gott einfach eine geile Sau ist!
Max: (lacht) Naja, ich hätte jetzt „mit Gottes Segen“ gesagt, aber gut. Tatsache ist, dass hier ziemlich vieles geradezu ideal ineinandergreift. Das, was die Gemeinde sich wünscht, passt extrem gut zu dem, was wir vorhaben. Plus, wir sind hier auf extrem viele Menschen getroffen, die uns mit Leidenschaft, Herz und Verstand unterstützen. Denn um eine Kirche mit Zuhause-Gefühl zu gestalten, braucht es einfach so viel mehr als einen engagierten Pastor.

Apropos, Ihr teilt euch eine Stelle – seid also Pastoren in Teilzeit, aus welchem Grund?
Chris: Weil sich die eigene Lebenszeit mit Geld nicht aufrechnen lässt. Wir wollen Dinge tun, Menschen treffen, einfach leben. So erfüllend unsere Aufgabe auch ist, nur zu arbeiten, wäre uns zu wenig. Und mit dieser sagenhaft guten Work-Life-Balance einer halben Stelle haben wir immer voll Bock und so viel mehr Energie, die wir in die Arbeit in der Gemeinde stecken können.
Max: Darüber hinaus ist es toll, Gottesdienste und Co. im Doppelpack zu machen. Zusammen sind die Menschen so viel besser als allein – und genau das gilt auch für uns.

Was sind euren Pläne für die kommenden Monate?
Chris: Sobald es die Situation wieder zulässt, wollen wir das Konzept unseres Zuhause-
Gottesdienstes noch einmal erweitern. Was wir uns wünschen, ist ein Treffpunkt für die Menschen im Stadtteil, mit gemütlichen Sofaecken, Essen und Trinken in der Kirche – dem idealen Rahmen für ein entspanntes Miteinander und einen inspirierenden Austausch. Darüber hinaus planen wir verschiedene Angebote für Senior*innen und Kinder. Auch Übernachtungs-, Techno- und Metal-Gottesdienste sind denkbar – die Bassbox mit dem richtigen Wumms steht natürlich längst unter dem Altar.

Wer so viel Krach schlägt, erregt Aufmerksamkeit: RTL, buten un binnen, Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau – von überall her kommen die Medienanfragen. Wie geht es euch damit?
Max: In erster Linie geht es uns darum, in und mit unserer Gemeinde etwas zu erreichen. Darüber, dass unser Start hier auch über die Landesgrenzen hinaus für Aufsehen gesorgt hat, haben wir uns erst gewundert – jetzt sehen wir es als Chance. Dafür, dass unsere Arbeit Menschen dazu inspiriert, über das Thema Glaube noch einmal ganz neu und unvoreingenommen nachzudenken und darüber ins Gespräch zu kommen – und sei es erst einmal nur am eigenen Küchentisch.

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Telefon: 0471 3 87 63

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