Beim Gärtnern wächst so viel mehr als Blumen und Gemüse

2019 beantragt Jutta Dreyer die Patenschaft für eine Verkehrsinsel in Kattenturm und verwandelt diese in ein bunt blühendes Biotop. Zusätzlich begleitet sie Pflanzaktionen, engagiert sich in der Stadtteilarbeit, bepflanzt Hochbeete in Schulen und Kindergärten und plant gemeinschaftliche Urban-Gardening-Projekte. Wir treffen die vielbeschäftigte „Blumenfee“ auf einen Plausch in ihrem üppig blühenden Garten.

Woher kommt Ihre Leidenschaft fürs Gärtnern?
Jutta Dreyer: Gartenarbeit erdet mich – buchstäblich. Mit den Händen in der Erde bekomme ich den Kopf frei. Ein Phänomen, das ganz sicher viele Menschen von sich kennen. Darüber hinaus beobachten mein Mann und ich leidenschaftlich gerne Insekten und Vögel – am liebsten gemeinsam mit unserem Enkel. Es ist so spannend zu sehen, wie genial die Natur ist, wie alles zusammenhängt und sich wieder einpendelt, wenn man der Natur einen Lebensraum gibt.

Und diese Ehrfurcht vor der Natur ist auch der Grund für das Engagement über den eigenen Gartenzaun hinaus?
Dreyer: Auch, aber nicht nur. Denn um ehrlich zu sein, habe ich einen Riesenbammel vor den Folgen der Umweltverschmutzung und des Klimawandels. Der heiße Sommer 2018 war für mich der Wendepunkt. Zugleich sind immer mehr Vorgärten unter Steinplatten, Kies oder Schotter begraben worden. Da konnte ich einfach nicht länger stillhalten.

Jutta Dreyer
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Heißt konkret?
Dreyer: Ich machte eine Bestandsaufnahme und überlegte, welche meiner Gewohnheiten ich so verändern konnte, dass sich mein CO2-Fußabdruck verringert. Ich bepflanzte meine „Rettungsinsel für Bienen, Insekten und Vögel“ und danach kam eins zum anderen.

Das hört sich bei Ihnen so leicht an.
Dreyer: Die Arbeit in der Natur ist tatsächlich keine Mühe. Denn wenn man sieht, was man mit den eigenen Händen Geniales schaffen kann, ist das sehr befriedigend. Beschwerlich ist hingegen die Suche nach aktiven Mitstreiterinnen und Mitstreitern.

Warum ist es so schwer, die Menschen zum Mitmachen zu bewegen?
Dreyer: Zum einen denken sicher viele, dass das, was Einzelpersonen tun können, nichts bewirke und erst einmal „die da oben“ etwas tun müssten. Auf der anderen Seite scheuen die Menschen vielleicht den vermeintlichen Aufwand und Verzicht. Aber Umweltschutz ist kein Verzicht – im Gegenteil, denn vieles ist ja auch ausgesprochen gut für die eigene Gesundheit. Zeit in und mit der Natur zu verbringen, baut zum Beispiel effektiv Stress ab. Und was die Mühe angeht: Jeder Mensch kann etwas tun, ohne dass es wehtut oder so richtig in Arbeit ausartet. Wichtig ist nur, dass man es tut.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dreyer: Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen beginnen, im Kleinen etwas fürs große Ganze zu tun. Dass niemand mehr denkt, auf ihn oder sie käme es nicht an.

Gemeinschaftliche Pflanzaktion der Obstbäume und Naschsträucher mit Anwohner:innen der Anna-Stiegler-Straße. Im Bild Familie Manasse, Jutta Dreyer und das GEWOBA-Team aus Kattenturm.
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Warum machen Sie sich gerade für das Thema Urban Gardening stark?
Dreyer: Beim gemeinsamen Gärtnern wächst so viel mehr als Möhren und Tomaten. Mit den Händen in der Erde ist es egal, woher du kommst, woran du glaubst oder wie viel du hast. Erde verbindet. Urban Gardening punktet also nicht nur im Hinblick auf einen aktiven Natur- und Artenschutz, sondern auch bei der Integration und dem Entstehen von Gemeinschaft. Insbesondere in dicht besiedelten Wohngebieten ist das eine echte Chance für ein positives und zugleich sinnstiftendes Miteinander.

Und was wünschen Sie sich ganz konkret Ihre Projekte betreffend?
Dreyer: Ich könnte Unterstützung bei der Pflege der Verkehrsinsel gebrauchen. Darüber hinaus möchte ich eine Bürgerinitiative in Kattenturm gründen, um nicht länger mit meinen Bemühungen allein zu sein. Gemeinsam könnten wir viel schneller mehr erreichen. Tatsache ist: Fördergelder und unterstützende Unternehmen und Institutionen gibt es. Dazu braucht es aber auch dringend helfende Hände.

Aber Sie würden auch alleine weiterkämpfen?
Dreyer: Habe ich eine Wahl? Angesichts des Klimawandels einfach nichts zu tun, ist für mich keine Option. Ich mache also weiter, zur Not auch alleine. Wer Lust hat, sich zu beteiligen oder etwas Ähnliches für den eigenen Stadtteil plant, darf sich aber weiterhin jederzeit gerne melden. Ich freue mich darauf!

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